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Behinderten-Einrichtungen stellen sich gegen AfD

Behinderten-Einrichtungen stellen sich gegen AfD

Menschen mit Behinderung bereichern das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Für die große Mehrheit im Lande ist das überhaupt keine Frage. Die „kleine Anfrage“, mit der AfD- Politiker im Bundestag zuletzt für Schlagzeilen sorgten, habe das Potenzial, diesen Konsens aufzukündigen, fürchten Sozialverbände und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Deshalb gehen sie in die Öffentlichkeit. In Unterfranken haben am Montag mehrere Einrichtungen in einem Positionspapier „14 Grundsätze“ formuliert, um so der Menschen- und Lebensfeindlichkeit zu begegnen, die sie hinter dem AfD-Vorgehen vermuten.

Die AfD-Politiker, unter ihnen die Fraktionschefs Alice Weidel und Alexander Gauland, wollten unter anderem Auskunft zur Zahl und zur Staatsbürgerschaft schwerbehinderter Menschen haben. Außerdem fragten sie, inwieweit Behinderungen „durch Heirat innerhalb der Familie“ entstanden sind – und ob die Eltern Migrationshintergrund haben.

Dieser Versuch, einen Zusammenhang von Behinderung, Migration und Inzucht zu konstruieren, stelle einen „Tabubruch“ dar, sagt Johannes Spielmann, Vorstand der Blindeninstitutsstiftung. Dahinter vermutet er die Grundhaltung, Behinderung sei ein zu vermeidendes Übel. Dies erinnere an die Politik der Nationalsozialisten, die das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung nicht nur in Frage gestellt, sondern diese auch zu Hunderttausenden ermordet haben.

Bündnis für Zivilcourage erstattete Strafanzeige
Würzburger Positionen

Mit ähnlicher Begründung hat das Würzburger Bündnis für Zivilcourage Weidel, Gauland und Co. wegen Volksverhetzung angezeigt. Bundesweit agierende Sozialverbände wie VdK, Caritas und Diakonie hatten am Wochenende in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ eine Zeitungsannonce unter dem Titel „Es geht uns alle an: Wachsam sein für Menschlichkeit“ geschaltet. In Würzburg haben sich Vertreter von Blindeninstitut, Don Bosco, Lebenshilfe, Mainfränkische Werkstätten, Zentrum für Körperbehinderte, St.-Josefs- Stift, Erthal-Sozialwerk und Arche zusammengetan, um Flagge zu zeigen gegen Diskriminierung und Meinungsmache.

Sie betreuen zusammen über 10 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Inklusion von Menschen mit Behinderung sei ein hohes Gut, betont Direktor Hans Schöbel vom Zentrum für Körperbehinderte. „Gemeinsam mit ihren Familien brauchen sie die Solidarität und den besonderen Schutz unserer Gesellschaft.“

Das Vorgehen der AfD erschrecke auch deshalb, weil es so gar nicht dem entspreche, „was unsere Bewohner und Mitarbeiter täglich erleben“, sagt Bernhard Götz, Geschäftsführer des St.-Josefs-Stift in Eisingen (Lkr. Würzburg). „Wir spüren, dass wir willkommen sind und wertgeschätzt werden.“ Gerade deshalb gelte es, den Anfängen zu wehren.

Man müsse wachsam sein, so Spielmann. Auf Standards wie das Recht auf schulische Bildung und Teilhabe, die in den vergangenen Jahrzehnten für Menschen mit Behinderung in Deutschland entwickelt wurden, dürfe man stolz sein, heißt es im Positionspapier. Wer daran rüttle, gefährde den Zusammenhalt in der Gesellschaft, betont Martina Sponholz, Geschäftsführerin der Lebenshilfe.

Behindertenrechte sind universell

Für die Vertreter der Einrichtungen ist es auch keine Frage, dass die Rechte, die Menschen mit Behinderung zustehen, universell sind. Man werde nicht zulassen, dass Behinderte aus Flüchtlingsfamilien gegen Behinderte aus angestammten Familien ausgespielt werden.

Im Gegenteil: Familien mit behinderten Kindern, die bei uns Asyl suchen, bedürften aufgrund der erlebten Traumata besonders der menschlichen Solidarität und Hilfe. Hans Schöbel weiß von einer Mutter aus Aleppo, die ihre mehrfachbehinderte, an der Glasknochenkrankheit leidende Tochter auf dem Arm nach Deutschland getragen hat.

Mit der Zahl an Geflüchteten habe auch die Zahl der Behinderten mit Migrationshintergrund zugenommen, so die Verantwortlichen. Gleichwohl kenne er keinen Fall, bei dem die Verwandtschaft von Mutter und Vater Ursache einer Behinderung ist, sagt Schöbel. Es spiele für die Arbeit auch keinerlei Rolle, ob eine Behinderung – aus welchem Grund auch immer – angeboren oder erworben ist. „Jedes Kind“, unterstreicht Johannes Spielmann, „jeder Mensch mit Behinderung ist uns willkommen, unabhängig davon, wo seine Wurzeln liegen“.

Von: Michael Czygan, 23.04.2018

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